Wertfaktor KOPF®’ – Kundenorientiert von der Kostenwelt in die Durchsatzwelt

1

 
 
 

Hohe Baupreise vor dem Fall

Das IKPB ist das KOPF-Nachfolge-Institut

Am 24.09.2010 wurde in Kassel das Institut für Kybernetisches Planen und Bauen von ehemaligen Lizenznehmern des KOPF-Instituts und derzeitigen Anwendern baukybernetischer Methoden gegründet.


Gründung im September 2010

Das KOPF-Institut ist Ende Juli 2008 aufgelöst worden.
Ziel des IKBP ist es u.a., kybernetische Methoden bei der Bauplanung und der Bauausführung weiter zu entwickeln, zu verbreiten und in die Praxis einzuführen.
Weitere Informationen zum IKPB erhalten Sie unter www.ikpb.de.


Hohe Baupreise vor dem Fall.
In der amtlichen Statistik über die Entwicklung der Baupreise werden die Konjunkturausschläge nicht erkennbar. Das führt besonders in der Hochkonjunktur zu falschen Kostenrechnungen und enttäuschenden Überschreitungen der Baupreise. Deshalb habe ich 1970 eine eigene KOPF-Statistik eingeführt, die diese Konjunktureinflüsse sichtbar macht.
Wo die Unterschiede liegen und warum das so ist, können Sie aus dem Beitrag zu der grafischen Darstellung erkennen.
Ich habe die Grafik jetzt deshalb auf die Internetseite genommen, weil wir uns in einer Hochphase der Konjunktur mit hohen Baupreisen befinden, aber auch schon wissen können, wann bei schwächerer Konjunktur die Preise stark fallen werden.

Auszug aus der Doktorarbeit "Der Architekt – Das zukünftige Berufsbild unter Berücksichtigung seiner Verantwortung als Baumeister" von Dr. Mathias Eisenmenger.
Eisenmenger empfiehlt aufgrund seiner wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnisse für die Architektenpraxis und für die Ausbildung der Architekten eine Rückbesinnung auf die ganzheitliche Verantwortung für die ästhetische, konstruktive aber auch ökonomisch optimale Erstellung der Bauwerke nach der Art der alten Baumeister. Er stellt zu Recht fest, dass dazu wegen der heute äußerst komplexen Planungs- und Bauprozesse profunde Kenntnisse der Systemtheorie und Kybernetik gehören.
Dem kann man prinzipiell nur zustimmen.
Aber bei seinen Vorschlägen zur Beherrschung der Komplexität ist ihm eine verhängnisvolle Fehleinschätzung unterlaufen. Er empfiehlt, die Komplexität durch den Einsatz der Wahrscheinlichkeitsmathematik in den Griff zu nehmen. Aber mit der Mathematik geht das nicht. Das würde in die Chaosfalle führen. Deshalb führe ich in einer kritischen Ergänzung zu dem Auszug aus Eisenmengers Arbeit auf, wie man mit der Methodik Kybernetischer Organisation, Planung und Führung die Störungsfolgen aus der Komplexität der Prozesse tatsächlich kompensieren und die Planungs- und Bauabläufe optimal organisieren und zielgenau beeinflussen kann.

40 Jahre „Kopf“-Arbeit
Ein Porträt des Architekten Heinz Grote im Deutschen Architektenblatt 07/08.




Hohe Baupreise vor dem Fall






Die Grafik zeigt die reale Baupreisentwicklung bis September 2008.
Die Wahrscheinlichkeitsbetrachtung bis September 2009 zeigt den zu
erwartenden Verfall der Baupreise als Folge der Konjunkturabschwächung.

Die Statistischen Ämter fragen viermal im Jahr ausgewählte Bauunternehmen und Handwerksbetriebe nach der Preisentwicklung. Die Unternehmen melden nicht die Entwicklung der Marktpreise, sondern die Entwicklung der Kosten plus angemessenem Gewinnzuschlag entsprechend ihrer Kalkulationsformel.
Deshalb werden die Konjunkturschwankungen, die ± 25 Prozent betragen können, nicht sichtbar.
Daraus folgt, dass erhebliche Fehleinschätzungen bei der Preisermittlung für die Bauprojekte auftreten, wenn man die amtliche Statistik als Grundlage benutzt.

Für die KOPF-Statistik werden die Institutionen befragt, die die Baupreise bezahlen müssen.
So werden die gravierenden Konjunkturausschläge sichtbar.

Besonders interessant wird die Kenntnis der wirklichen Baupreisentwicklung immer dann, wenn ein Konjunkturaufschwung zu Preiserhöhungen führt – und wenn ein Preissturz droht.
Wir erwarten einen Rückgang der Konjunktur. Das wird zu einem Verfall der Baupreise führen. Die Langzeitbeobachtung zeigt das deutlich.
Der Einkauf von Bauleistungen wird schon im Februar 2009 günstiger sein als im August 2008 – besonders, wenn man bei den Ausschreibungen den schärfer werdenden Wettbewerb nutzt.
Was können Unternehmen tun, um bei größerem Wettbewerbsdruck Verluste zu vermeiden?
Sie können die erhebliche Zeitverschwendung, die durch Leerlauf, Warten und Mängelbeseitigungen noch weit verbreitet ist, weitgehend ausschalten.
Das geht durch mehr Selbststeuerung und Selbstverantwortung in den Arbeitsabläufen.

Holzminden, August 2008
Heinz Grote

Zum Seitenanfang





Der Architekt – Das zukünftige Berufsbild unter Berücksichtigung seiner Verantwortung als Baumeister



Das ist der Titel der Doktorarbeit von Dr. Ing. Mathias Eisenmenger, die 2006 vom Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel angenommen wurde.
Die Arbeit ist als Buch mit dem selben Titel unter ISBN 978-3-89958-252-9 erschienen.
Das Buch kann über die kassel university press GmbH, Kassel, bezogen werden:
www.upress.uni-kassel.de
Allen, die sich mit der Kybernetik im Baumanagement befassen oder befassen möchten, empfehle ich, diese Arbeit zu studieren.
Ergänzungen von mir sind in grün eingetragen.

Eisenmenger geht auf die Wurzeln der Architektur zurück und erkennt den großen ägyptischen Baumeister Imhotep (um 2.500 v. Chr.) als den ersten namentlich bekannten Architekten.

Er kommt dann zu dem römischen Architekten und Bauingenieur Vitruv (geb. 84 v.Chr.) und zu dessen berühmtem Werk zur Architektur, zur Wirkung und generalistischen Ausbildung des Architekten als Baumeister.

Heute haben sich Architekten häufig ganz auf ihre Entwurfstätigkeit zurückgezogen. Jetzt sehen sie sich angesichts einer geringen Auftragslage überrascht um und stellen fest, dass viele ihrer Leistungen nun von fachfremden Experten ausgeführt werden, die im Gegensatz zu den besagten Architekten funktionale Kriterien in das Zentrum ihrer Tätigkeit stellen:
Solange die angehenden Architekten nichts anderes wollen als zu zeichnen, werden sich ihnen keine neuen Möglichkeiten eröffnen.

... Dass aber insgesamt eine grundsätzliche Neupositionierung des Architekten hin zum ganzheitlichen Projektsteuerer nicht nur unbedingt notwendig ist, sondern dass sich auch und besonders komplexe Planungsstrukturen gerade mit den Fähigkeiten des ausdrücklich generalistisch ausgerichteten modernen „Baumeisters“ sehr wohl bewerkstelligen lassen, soll ja im folgenden im Detail deutlich gemacht werden.
Der Baumanager kann nicht als Ziel eines ganzheitlichen übergreifenden Berufsbildes angesehen werden – höchstens als Wegweiser in die richtige Richtung.

Eine Vision des Baumeister-Architekten für unsere Zeit, wie sie diese Arbeit entwickeln will, geht noch darüber hinaus und überschreitet auch die selbst gesteckten Grenzen der HOAI. Denn wenn ein Architekt sich universell bildet und generalistische Fähigkeiten besitzt, ist er damit prädestiniert, auch Projekte außerhalb des Bauwesens zu leiten und zu lenken. Dass er sich mit pauschaler Beauftragung und Bezahlung von der HOAI emanzipiert, gehört zur konkreten Umsetzung dieser Vorstellung. Insgesamt erhielte ein solcher Baumeister (auch) eine metaphorische Bedeutung im Sinne eines Gestalters beliebiger Vorhaben, der „bauen“ als „erfolgreich ausführen“ versteht. Orientiert an der Tradition erschafft sich der Baumeister-Architekt so gänzlich neu.
Das wesentliche Arbeitsfeld, in dem dieses Postulat verwirklicht werden kann, ist die Projektarbeit. Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass in der Perspektive dieser Arbeit Architekten nicht nur in ihrer besonderen Befähigung als Leiter von Bauprojekten zu sehen sind. Vielmehr soll hier ihr Potenzial zur Bewältigung von Projekten aller Art oder – noch allgemeiner gesprochen – im Umgang mit komplexen Problemstellungen überhaupt herausgestellt werden.

Mit den strukturellen Gegebenheiten von komplexen Systemen befasst sich die System-Theorie, während sich die Kybernetik (von griech. kybernetes – Steuermann) stärker mit dem dynamischen Aspekt der Systeme, ihren Prozessen, Verhaltensweisen, Ordnungen: Steuerungs- und Regelungsmechanismen ... beschäftigt.
Komplexität ist zumindest potenziell quantitativ erfassbar, indem ihr Varietätsgrad bestimmt wird.
„Varietät ist die Anzahl der unterscheidbaren Zustände eines Systems, bzw. die Anzahl der unterscheidbaren Elemente einer Menge“ (nach Malik: „Strategie des Managements komplexer Systeme“) S. 127

Wenn zum Beispiel ein System aus 5 Glühbirnen besteht und jede dieser Glühbirnen einen der beiden Zustände „an“ oder „aus“ einnehmen kann, so ergeben sich für das System 2 hoch 5 = 32 verschiedene Zustände. Damit ist dieses System noch überschaubar. Gleichwohl steigt die Varietät des Systems exponentiell sehr stark, sobald man die Zahl der Zustände erhöht. Wenn nämlich jede Glühbirne in 5 verschiedenen Farben leuchten kann, statt nur „an“ oder „aus“ zu sein, sind bereits 5 hoch 5 = 3125 Zustände für das System möglich.

„Wir hatten bis etwa 1965 fünf Gewerke im Wohnungsbau. Die Arbeitsteilung war noch kaum fortgeschritten. Den Heizungsbauer gab es nicht. Die Mieter brachten Öfen mit, wenn sie einzogen.
In den 70er Jahren planten und bauten 25 Büros und Betriebe das Haus.

Das Beispiel mit den Glühbirnen kann als Verständnisgrundlage dienen, wenn man die exponentielle Entwicklung in äußerst komplexen Systemen und ihre Bedeutung für die Einführung einer ganz neuen Planungsweise erkennen will.
Das einfache technische System in dem Beispiel besteht aus 5 Glühbirnen, die auf einem Brett untereinander montiert sind.
Jede dieser Glühbirnen hat zwei Verhaltensmöglichkeiten: sie kann entweder ein- oder ausgeschaltet sein. Die Komplexität dieses Systems ist:
2 hoch 5 = 32
Die Komplexität wächst exponentiell mit der Zahl der Elemente. Wenn wir also 25 Glühbirnen auf einer quadratischen Platte montieren, dann ist die Komplexität:
2 hoch 25 = 30 Millionen
Das charakteristische an diesem exponentiellen Wachstum ist, dass sich die Komplexität mit jedem zusätzlichen Element verdoppelt. Bei 26 Glühbirnen springt sie auf 60 Millionen.
An einer Baustelle sind bei 25 Gewerken möglicherweise 100 Menschen tätig – und jeder hat mehr als zwei Verhaltensalternativen. Er kann sich nicht nur für „ja“ oder „nein“ entscheiden.
Menschen sind nun einmal unbestimmte Wesen. Meist sagen sie so etwas wie: „ja – unter der Voraussetzung, dass der Plan da ist“ – oder „nein – es sei denn, die Witterung lässt den Estrich schneller trocknen“. Mitunter sagen sie auch „vielleicht“ oder „genau weiß ich das nicht“.
Und damit ist die Komplexität schon an der Baustelle eines Eigenheims nicht 30 Millionen oder 60 Millionen. Nein – sie liegt nahe bei unendlich und macht eben Bauabläufe – und übrigens in ähnlicher Weise jede Art von Produktions- oder Planungsabläufen – unberechenbar. ...“

Damit ist die Aussage „...Somit ist Komplexität zumindest potenziell quantitativ erfassbar, indem nämlich ihr Varietätsgrad bestimmt wird“, die Eisenmenger auf Seite 127 seines Buches macht, nicht richtig. Sie verführt dazu, mit mathematischer Methodik Planungs- und Bauabläufe zielgenau beeinflussen zu wollen, und das führt regelmäßig in die Chaosfalle.

Die Lösung liegt in der Umsetzung des Varietätsgesetzes von Ashby: Die Handlungsvarietät in einem äußerst komplexen System muss der Komplexität des Systems mindestens adäquat sein, d.h., das Führungssystem muss in einem äußerst variablen Modell unendlich viele Wege parat haben, die zum Ausgleich der ständig in den Ablauf einwirkenden überraschenden Störungen eingeführt werden müssen, um die gewollten Kosten- und Terminziele sicher zu beeinflussen.

„ ... Die Management-Kybernetik ist die Kunst, mit Hilfe unbestimmter Modelle, die latent fast unendlich viele Wege zum Ziel enthalten, und mit Hilfe eines hohen Grades von Selbststeuerung in äußerst komplexen dynamischen Systemen zielsicher zu führen.
Die Management-Kybernetik macht Planen und Führen zu einer unauflöslichen Einheit.
Der Schwerpunkt liegt beim zielgenauen Beeinflussen. ... Dabei wird ständig durch Rückkopplung vom Ziel her korrigiert.
Seit 1970 bewirken wir auf dieser wissenschaftlichen Grundlage mit dem KOPF-System regelmäßig Produktivitätssteigerungen (Bauzeitverkürzungen) um durchschnittlich ein Drittel. ...“


(aus „Hohe Produktivität in selbstorganisierten Organisationsstrukturen – Komplexitätsbeherrschung mit Management-Kybernetik“, Heinz Grote in „Entscheiden in komplexen Systemen“, Wissenschaftliche Jahrestagung der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik vom 29. und 30. September 2000 in Mannheim, Herausgegeben von Peter Milling, Wirtschaftskybernetik und Systemanalyse, Band 20, Duncker & Humblot Berlin 2002

Die Art wie an verschiedenen Hochschulen Architektur begriffen und entsprechend gelehrt wird, kann wichtige Anhaltspunkte ergeben, wie man eine Studienreform hin zu den neuen Abschlüssen „Bachelor“ und „Master“ auch für eine Anpassung der Inhalte an das erweiterte Berufsbild des „Baumeister“-Architekten als Endziel der akademischen Ausbildung nutzen könnte. Erfreulich viele Akademien – nur Biberach und Kassel seien hier als vorbildliche Beispiele genannt – integrieren etwa ökonomische, metamethodische und projektplanerische Veranstaltungen fest in den Lehrplan.
Die Studiensysteme an einigen deutschen Universitäten, die noch Diplomabschlüsse anbieten – vor allem Darmstadt ist hier zu nennen – erscheinen zum Teil bereits zum jetzigen Zeitpunkt innovativer als diejenigen anderer Hochschulen, die zwar bereits auf die „Bachelor“- und „Master“-Abschlüsse umgestellt haben, aber darüber hinaus bisher wenig „mutig“ gewesen sind ...
Nach dem in dieser Arbeit verfolgten Ansatz sollte darauf geachtet werden, dass der Studienplan dem Ideal des generalistisch befähigten, komplex denkenden und dabei doch bündig, präzise und überzeugend präsentierenden, verhandlungssicheren und mit Vermittlungsgeschick begabten „Baumeisters“ nahe kommt. Eine positive Auswahl wären vor allem Darmstadt und Zürich.
Allerdings muss man selbst in diesen Fällen die Einschränkung machen, dass Kernkompetenzen des „Baumeisters“ – etwa die Fähigkeit zur Motivation und Leitung von Mitarbeitern ebenso wie zur erfolgreichen Führung von Verhandlungen – immer noch zu wenig gezielt gefördert werden. Außerdem wird deutlich, dass der Praxisausrichtung des noch stark entwerferisch geprägten Architekturstudiums oftmals viel zu geringes Gewicht beigemessen wird.
Verantwortungsbewusste Dienstleister mit Übersicht sind - im Gegensatz zu streng fachgebundenen Spezialisten - gefragt wie nie. Sich diesem Bedarf anzupassen, erfordert von den Architekten die Bereitschaft, neue berufliche Wege zu beschreiten.
Dafür sind in dieser Arbeit konkrete Hinweise erfolgt, indem unter anderem Forschungsergebnisse aus Kybernetik und Systemtheorie herangezogen wurden ... Architekten müssen die Erweiterung ihrer traditionellen Tätigkeitsfelder anstreben, wollen sie konkurrenzfähig bleiben – und zwar auf mehreren Ebenen.
Erstens sollte der üblichen Spezialisierung entgegengewirkt werden, indem Architekten selbst sämtliche Leistungen nach § 15 HOAI erbringen.
Zweitens können sie sich so innerhalb von bauspezifischen Aufgaben um die Erweiterung ihres Auftragsrahmens bemühen und die Gesamtverantwortung für komplette Leistungen übernehmen.

Schließlich sollten Architekten sich auf ihre generalistischen Fähigkeiten besinnen und als Projektgestalter über traditionelle Gebiete hinaus neue Aufgabenbereiche „erobern“, da alle Voraussetzungen für eine solche Erweiterung ihres Selbst- und Berufsverständnisses ... schon durch ihre spezifische Art der universitären Ausbildung geschaffen werden. Wo dieses noch nicht in ausreichendem Maße der Fall ist, können beherzte, als Chance begriffene Reformen Abhilfe schaffen. ...

Es ist durchaus möglich, durch die hier geforderte Rückbesinnung auf Bewährtes, aber darin eben zugleich Modernes, die Vermittelbarkeit der jungen Architekten auf dem Arbeitsmarkt entscheidend zu verbessern. Den Architekten ist anzuraten, ihren Schwerpunkt statt im reinen Entwurf vielmehr in der Projektgestaltung oder auch im Design, als ganzheitlicher Begriff verstanden, der praktische und ästhetische Aspekte der Planung umfasst, zu sehen. Denn damit eröffnet sich ihnen ein Sektor, der viele Möglichkeiten und vor allem Zukunft bietet.
Für den guten Projektgestalter werden sich immer mannigfache Chancen und Möglichkeiten bieten, zumal er sie sich oft selber schafft; daher ist es höchste Zeit, sich auf die Qualitäten des historischen Baumeisters zu besinnen und Berufsverständnis ebenso wie Architektenausbildung entsprechend umzugestalten.

Dem ist weitgehend zuzustimmen. Aber die Prozesse des Planens und Bauens misslingen, wenn die verhängnisvolle Fehleinschätzung, man könne sie „mit Hilfe mathematischer Wahrscheinlichkeitsberechnung, hauptsächlich mit der Kombinatorik“ (Eisenmenger Seite 127) von dem üblichen Konfliktstoff und der lästigen Zeitverschwendung befreien und sie produktiver, nervenschonender und zielgenauer organisieren und lenken.
Das ist, als wollte jemand mit der Kombinatorik ein Fußballspiel gewinnen.
In lebendigen Systemen führt die Technokratie nicht weiter. Die Kybernetik beginnt, wo die hier beschriebene Art von Mathematik nicht hinreicht.


Zum Seitenanfang





Deutsches Architektenblatt 07/08, Seiten 44 und 45

40 Jahre „Kopf“-Arbeit


Seit 1968 engagiert sich Heinz Grote für eine Revolution auf den Baustellen. Porträt eines Kämpfers der besonderen Art.

Vertrauen: Heinz Grote setzt in Planung und Bau gerade dort auf Selbststeuerung, wo hoher Organisationsaufwand das Chaos nicht in den Griff bekommt.

Im braven Villengebiet von Holzminden an der Weser sticht die blaue Kiste sofort heraus. Das Signal ist deutlich: Hier wohnt der unkonventionelle Architekt. Womöglich ein Alt-68er? Biographisch ist Heinz Grote alles andere als das. Er war damals kein studentisch-sozialistischer Revoluzzer in Berlin oder Frankfurt, sondern ein 39-jähriger und auf dem Markt gut etablierter Büroinhaber in Südniedersachsen. Grote faszinierte nicht der Kommunismus, sondern die Baukybernetik. Seit 40 Jahren kämpft er unbeirrt für eine bessere Welt auf den Baustellen. Auf seine eigene Weise ist er damit doch ein Alt-68er. Wie die Studenten entwickelte er in jenem Jahr eine Vision und machte sich auf den langen Marsch durch die Institutionen, um sie zu verwirklichen. Dabei stellte er in Einzelfällen das Alltagsleben auf den Kopf. Aber wie die 68-er konnte er den größten Teil seiner Umwelt bis heute nicht von seinen Ideen überzeugen. Trotzdem kämpft Grote unbeirrt für eine bessere Welt auf den Baustellen.

„Die Umbesinnung schafft uns von innen her neu – verdrahtet das Gehirn neu.“ Heinz Grote

"1968 lag da ein Buch auf meinem Schreibtisch", erzählt der heute 79-Jährige. Kein Manifest, sondern die betriebswirtschaftliche Doktorarbeit eines gewissen Heinz-Michael Mirow mit dem Titel “Die Kybernetik als Grundlage einer allgemeinen Theorie der Organisation”. Kybernetik, abgeleitet vom griechischen Wort für "Steuerungs-Kunst": Ihr geht es um den gordischen Knoten von komplexen Organisationsaufgaben. Andere wollten und wollen ihn mit neuen Projektmanagement-Instrumenten aufdröseln, die versprechen, alles zentral im Griff zu behalten. Die Kybernetik will den Knoten durchhauen: mit Rückkopplungen und Selbstregulierungen wie in der Natur. Wenn irgendein Teil über die Stränge schlägt, findet ein System wie zum Beispiel eine Baustelle von selbst in die Nähe des Gleichgewichts zurück.

Auch Bauleiter kämpfen in einem komplexen, schwer zu handhabenden System, das ihnen rasch über den Kopf wachsen kann. Grote sah in der Kybernetik die Chance, ein "soziotechnisches System ‚Baustelle’ zu schaffen, dass sich selber steuern kann". Sinnfällig kürzte er es "Kopf" ab; das steht für "Kybernetische Organisation, Planung und Führung”. Kern des Modells ist, vereinfacht gesagt, das Einplanen von Überraschungen - Grote nennt es „das Erwarten des Unerwarteten“. Zum Beispiel langsame Firmen, ausbleibendes Material, schlechtes Wetter, plötzliche Umplanungen. "Vorausberechnen kann man all das nicht", sagt Grote. "Aber man kann einen Planungsprozess und eine Baustelle so organisieren, dass sie gut damit fertig wird. Es geht darum, die Arbeitskapazitäten immer wieder dem Wechsel des Bedarfs anzupassen."

Das erfordert allerdings einen Aufwand, der viele abschreckt. Nicht nur zum Projektstart wird für alle größeren Arbeitsschritte die voraussichtlich nötige Zeit kalkuliert und die Zahl der nötigen Arbeitskräfte ermittelt. Stattdessen gibt es einen ständigen Abgleich: zwischen der verstrichenen Zeit und dem, was schon geleistet ist, einerseits, zwischen der noch übrigen Zeit und dem noch nötigen Aufwand andererseits. Reicht die Arbeitskapazität nicht, dann muss sie an dieser Stelle eben erhöht werden – mit mehr Kräften, mit zusätzlichen Büros und Firmen. Dazu ist jeder Beteiligte auf seinem Gebiet selbst verpflichtet. Und in der Praxis klappe das auch, sagt Grote. Auf Störungen am Bau könne dieses System viel schneller und beweglicher reagieren als jedes andere, das bei einer einzelnen Störung mit Folgen an hundert Stellen fertig werden muss.

Doch viele glauben nicht an die Kraft der Selbststeuerung. Sie macht manche an Hierarchie Gewohnte auch aus einem anderen Grund misstrauisch: Das „Kopf“-System basiert auf Vertrauen und Kooperation, nicht auf Druck und Kontrolle. Die Daten müssen von jedem selbständig erhoben und ehrlich weiter gegeben werden – gerade wenn etwas schief läuft. Und Bauleiter dürfen sich nicht als große Fädenzieher sehen, sondern als Informationsvermittler. In Grotes Worten müssen sich „die Führenden als Dienende verstehen“. Der „Kopf“-Anwender Karl-Heinz Thomas vom Bauunternehmen Dilling in Breidenbach bei Marburg sagt: „Grundlage ist ein neues Denken und eine Mentalität der Selbstorganisation und des Miteinanders. Es dauert einige Jahre, bis eine neue Gewohnheit entstanden ist.“

Grote selbst wendete sein System seit 1970 an und hat über die Jahre stattliche Referenzen gesammelt. "Der Einsatz des „Kopf“-Systems war erfolgsentscheidend", bescheinigte ihm zum Beispiel ein Münchener Stadtdirektor. Mit dem System „wurden die extrem engen Terminvorgaben ohne Probleme eingehalten", bestätigte das Staatshochbauamt Recklinghausen. "Ihre Projektsteuerung mit dem Kopf-System hatte an dem Erfolg wesentlichen Anteil", schrieb ihm das Wohnungsunternehmen Gagfah; er habe mit ihm „auch den Planungsprozess wirkungsvoll organisiert", äußerte die Nibelungen Wohnbau. Auch einige Architekten wenden es an, so Olaf Weigelt in Aachen und Rüdiger Sickenberg in Nürnberg, der dort die Planungsabteilung der Schultheiss Wohnbau leitet. Doch der größte Teil der Welt verschließt sich der Idee.

„Wir können mit unseren Gedanken eine neue Realität schaffen“ Heinz Grote

Ist das Ganze Spinnerei, wie Skeptiker seit bald 40 Jahren meinen? Oder ist es der Schlüssel zur besseren Bau- und Planungswelt, als den Heinz Grote es sieht? Auf die Frage gibt es keine eindeutige, objektive Antwort. Die es wollen, es mental können und den Start durchgehalten haben, schwören darauf. Die Ignoranz der anderen entmutigt Grote aber nicht, sondern erfüllt ihn nur mit milder Melancholie. "Ich verzweifle nicht, ich finde es nur schade."

Sein Kampf geht weiter. Erst vor ein paar Jahren hat er ein voluminöses Buch "Kosten senken mit Kopf" publiziert, mit dem 68er-Untertitel "Die Revolution des Baumanagements". Darin geht es nicht nur um Arbeitskapazitäten, sondern um die vielen weiteren Facetten seines ständig ausgebauten Systems – Kostenkalkulation, Mengenermittlungen, Abfolgen von Planungs- und Ausführungsschritten. Grote organisiert Tagungen, er denkt ungeachtet seines Alters an die Gründung einer Schule – „Kopf“ müsse in die Köpfe. Er hat seine Mission, genau wie viele Alt-68er und manche unverstandenen Entwurfsarchitekten: "Man muss die Mentalitäten ändern, da führt nichts drum herum."

Roland Stimpel

Zum Seitenanfang